reiseberichte
australien
Ab durch die Mitte November 06 bis Februar 07

Australien? Eigentlich wollten wir auf unserer Reise Australien bewusst auslassen, da Migg schon einmal hier war und da es ein relativ einfach zu bereisendes Land ist, welches wir auch spaeter einmal besuchen koennen. Nun ist "spaeter einmal" unverhofft eingetreten, und nach einem 2500 Seemeilen-Segeltrip von Thailand sind wir im Norden Australiens angekommen. Kurzentschlossen kaufen wir in Darwin einen guenstigen Ford Falcon Kombi und ziehen los ins Outback. Waehrend fast drei Monaten ist der "Falcon" unser Zuhause und bringt uns (mit ein paar Aussetzern) mehr als 7000 km weit . Eine wunderschoene Zeit mit bleibenden Erinnerungen an riesige Termitenhuegel, knorrige Eukalyptusbaeume, rote Erde, korngelbes Gras, huepfende Kaenguruhs und teddybaerartige Koalas.


Inhalt

Startschwierigkeiten

Im Busch usse

Land der Nationalparks

Typisch Australien

Australiens Ureinwohner

Auf Tauchgang

 


Startschwierigkeiten

Gegen abend fahren wir endlich los und lassen Darwin hinter uns. Das Auto ist gepackt, die noetigsten Reparaturen gemacht. Endlich geht es raus in die Natur! Wir freuen uns auf unser erstes Ziel, den Kakadu-Nationalpark und darauf, einmal Krokodile in freier Wildbahn zu sehen. Schon bald dunkelt es. Rechts und links der Strasse breitet sich ein sattgruenes Sumpfgebiet aus. Weit und breit kein idealer Schlafplatz in Sicht. Irgendwann sind wir genug gefahren und biegen kurzerhand auf einen ausgeschilderten Parkplatz ein. Am Rande des grossen Kiesplatzes steht ein kleines Restaurant. Mitten im Platz thront ein riesiges Plastikkrokodil. Bald schlafen wir ein und werden frueh morgens geweckt von heranfahrenden Autos. Erst jetzt realisieren wir, dass das Restaurant direkt am Fluss liegt und Ausgangspunkt ist fuer die beruehmten "Jumping Crocodile"-Touren, bei denen die Krokis vom Boot aus gefuettert werden. Nicht so unser Ding, denken wir und steigen ins Auto. Der Motor springt nicht an. Er dreht zwar, doch anspringen will er nicht. Die Sonne steigt hoeher und hoeher und brennt auf uns nieder, waehrend wir das Troubleshooting-Kapitel unseres Ford-Handbuches durcharbeiten. Wir probieren dies und das, wechseln Benzinfilter und Zuendkerzen aus, spritzen manuell Benzin ein, es hilft alles nichts.

 

Schliesslich gehen wir zum Restaurant auf einen Sandwich. Der Angestellte fragt, was denn an unserem Auto kaputt sei und gibt uns ein paar Ratschlaege. Dann fragt er gutgelaunt: "Wollt ihr auf die naechste "Jumping Crocodile"-Tour gehen? Es kostet nur 30 Dollar pro Person". "Klar, darum sind wir ja hier, doch lieber erst, nachdem wir das Auto wieder zum Laufen gebracht haben" reden wir uns heraus. Der Sinn steht uns wirklich nicht nach springenden Krokodilen, denn es ist Samstag und wir fuerchten, von diesem oeden Parkplatz vor Montag nicht mehr wegzukommen. Unsere letzte Rettung ist John. Er ist der nette Mechaniker aus Darwin, der uns geholfen hat, das Auto zum Vorfuehren bereitzumachen und einiges geflickt hat. Er ist ein ehrlicher, sehr sympathischer Typ mit guter Einstellung, dem es nicht in erster Linie ums Geldverdienen geht. Er wurde uns von einem alten Segler im Yachthafen von Darwin empfohlen. Er gibt uns per Telefon eine Ferndiagnose und erwaehnt ein paar Dinge, die wir noch ausprobieren koennen. Schliesslich meint er, er saehe nur noch die Moeglichkeit, das Auto zurueck nach Darwin abschleppen zu lassen. Zwei Stunden spaeter ist der Lastwagen da. "Seid ihr sicher, dass noch Benzin im Tank ist?" witzelt der Fahrer. Haha! Eine Stunde spaeter stehen wir wieder in Johns Werkstatt. Das war ein kurzer Ausflug. John findet nach diversen Tests heraus, was unserem Ford fehlt. Das Relais, das die ganze Elektronik steuert, funktioniert nicht mehr. Das Teil ist kaum groesser als 5 cm und in weniger als einer Minute ersetzt.


Im Busch usse

Das Outback im Norden und Zentrum Australiens uebt eine ganz spezielle Anziehungskraft auf uns aus. Es ist die Abgelegenheit und Einsamkeit ueber eine so unvorstellbar grossse Flaeche, die uns so fasziniert. Hunderte von Kilometern fahren wir durch unbewohntes Gebiet, die Strasse im Mittelpunkt des Gesichtsfeldes, rechts und links die zumeist flache Landschaft. Der Geist wird frei, die Gedanken haben Raum zum Wandern. Distanzen werden relativ, und wir finden die Bemerkung des jungen Australiers, er fahre jeweils 200 Kilometer, nur um in den Ausgang zu gehen, ploetzlich ganz normal. Es gibt so wenig Verkehr, dass man jedes Auto, das entgegenkommt, freundlich gruesst. Ab und zu donnert ein "Roadtrain" vorbei, ein Lastwagen mit bis zu vier langen Anhaengern. In den Abendstunden huepfen die Kaenguruhs von ueberallher in grossen Spruengen aus ihren Verstecken. Die Autos und Lastwagen sind ihre grossen Feinde. Wir sehen eine Unmenge toter Kaenguruhs, deren strenger Verwesungsgeruch uns im Vorbeifahren unschoen in der Nase sticht. Je weiter suedlich wir fahren, desto karger wird die Vegetation, die Baeume werden zu kleinen Bueschen. Angesichts der Abgeschiedenheit kann man nur hoffen, hier keine Panne zu haben...

 

Ersatzteillager an der Strasse

Kchchchchcrrrchhk! Ploetzlich ist das Geraeusch da. Es scheint vom Vorderrad zu stammen. Wie es gekommen ist, verschwindet es auch wieder, und wir hoffen, wieder in der Zivilsation zu sein, bevor es wieder da ist. Kchchchchcrrrchhk! Diesmal toent das metallische Knirschen so laut, dass es fast schmerzt, weiterzufahren. Mittlerweile sind wir ziemich sicher, dass es sich um ein kaputtes Kugellager handelt. Wir sind mitten im Busch, und es bleibt uns nichts anderes uebrig, als sorgfaeltig weiterzufahren, bis es nicht mehr geht. Weit und breit ist keine Menschenseele zu sehen. Da taucht am Strassenrand wie bestellt ein altes Autowrack mit eingeschlagenen Scheiben auf. Wir halten an und schauen uns das verlassene Auto genauer an. Was fuer ein Glueck wir doch haben: Es ist ein Ford der genau gleichen Bauart! Sofort macht sich Migg an die Arbeit, montiert das Kugellager ab und baut es im Nu bei uns wieder ein. Anschliessend schrauben wir noch dies und das ab, man weiss ja nie, wann man es brauchen kann. Als wir die Geschichte spaeter einem Australier erzaehlen, ist sein Kommentar: "Typisch Aborigines. Wenn denen das Benzin ausgeht, lassen sie das Auto einfach stehen!" Wie auch immer das Auto dorthingekommen ist, wir waren auf jeden Fall sehr froh um das Ersatzteillager mitten im Outback. 300 Kilometer spaeter kommen wir beim naechsten Roadhouse an und goennen uns einen Steakburger. Die Frau hinter der Theke wirft einen kurzen Blick auf unsere schwarzen Haende und sagt trocken: "car troubles"?

 

Ab vom Schuss

Es ist heiss, still und ueberhaupt nichts los in dem kleinen Dorf, das aus einer Tankstelle, einer Werkstatt und ein paar Haeusern besteht. Unter einem ausladenden Baum sitzen ein paar Maenner traege im Schatten. Wir tanken auf und gehen in den kleinen Shop, um zu bezahlen. Eine alte Frau mit zerzaustem Haar schlurft in Nachthemd und Pantoffeln herein und kauft sich ein Toastbrot. An der Tuere steht ein Schild mit der Aufschrift: "no drunk people allowed". Das Leben im Outback, so fern von allem, zollt seinen Tribut und ist wohl nicht ganz einfach, so reizvoll es mitunter toent...


Land der Nationalparks

Neongelbe Fliegen, Tauben mit Elvis-Tolle, Saeugetiere mit Beuteln, Eidechsen mit Riesenfaechern um den Hals... Die Andersartigkeit der australischen Tierwelt ist faszinierend. In den Nationalparks, und davon gibt es in Australien eine rekordverdaechtige Anzahl, lassen sich die Wildtiere mit ein wenig Geduld sehr leicht beobachten.

 

Auf Krokodilsuche

Nur weil wir wissen, dass er da ist, entdecken wir ihn schliesslich: Im Blattansatz eines Schraubenbaumes, da, wo sich das Regenwasser zu kleinen Teichen sammelt, sitzt ein kaum daumennagelgrosser, knallgruener Baumfrosch, perfekt getarnt. Ranger Russell, der uns den Tipp gegeben hat, ist ein geselliger Naturbursche, der in der Region aufgewachsen ist und viel zu erzaehlen hat ueber "seinen" Park, den Kakadu-Nationalpark, dessen Flaeche mehr als zehnmal so gross ist wie die Schweiz! Irgendwie kommt die Sprache auf Krokodile und Russell geraet erst so richtig in Fahrt. Eine Schauergeschichte folgt der naechsten, angefangen mit einem Fischer, dem ein Krokodil vor ein paar Jahren den Kopf abgebissen habe. Wo wir denn Krokodile beobachten koennten, fragen wir ihn. Er beschreibt uns einen Platz am Fluss ganz in der Naehe, wo wir natuerlich sofort hingehen. Wir brauchen nicht lange zu warten, bis sich auch schon ein Krokodil traege vorbeitreiben laesst! Ganz deutlich sehen wir seinen Kopf und den gezackten Ruecken, dann taucht es unvermittelt ab, der Schwanz zieht einen eleganten Bogen durch die Luft, dann ist das Tier im graubraunen Wasser verschwunden. Die Strasse fuehrt an genau dieser Stelle durch den Fluss, und die Autos fahren jeweils bei ungefaehr einem Meter Wasserstand hindurch. Die Vorstellung, mittendrin eine Panne zu haben, ist etwas unheimlich...

 

Ausgedehnte Flusssysteme und Feuchtgebiete, Monsun-Waelder, Buschland, Wasserloecher (Billabongs), dazwischen vom Wetter geformte Sandsteinformationen - die Landschaft des Kakaduparks ist unglaublich vielseitig. Schon vor Urzeiten war die Region von Aborigines bewohnt, die heute als "Traditionelle Landbesitzer" anerkannt werden und den Park gemeinsam mit der Australischen Regierung managen. Sie bringen ihr traditionelles Wissen ein, um Pflegekonzepte fuer die Region zu entwickeln, welche die Landschaft in ihrer Diversitaet laengerfristig erhalten. Ein Beispiel ist das kontrollierte und abschnittsweise Abbrennen des Buschlandes. Der folgende Text ueber das traditionelle Abbrennen des Buschlandes stammt aus der Ausstellung im Visitor Centre des Kakadu Nationalparkes. 


"This earth, I never damage. I look after. Fire is nothing, just clean up. When you burn, new grass coming up. That means good animal soon... might be goanna, possum, wallaby. Burn him off... new grass coming up, new life all over." Bill Neidjie, Aboriginal traditional owner 

Die Ausstellung zeigt, wie die Aborigines einst lebten, welche Pflanzen sie assen, welche Tiere sie wie jagten, beschaeftigt sich aber viel zu sehr mit dem, was einmal war. Das moderne Leben der Aborigines, die vielen Probleme, der Kultur- und Identitaetsverlust, den viele von ihnen erleiden, wird unserer Meinung nach viel zu wenig thematisiert. Den Touristen wird vielmehr eine bunte, traditionsreiche und mystische Welt vorgestellt, die nicht mehr wirklich existiert. Doch es zieht natuerlich, und der Verkauf von gepunkteten Bildern, geschnitzten Tieren und Didgeridoos boomt.

 

Brillensuche im Naturpool

Frueh morgens machen wir uns im Litchfield Park auf den Weg zum Wasserfall, um im Naturpool ein morgendliches Bad zu nehmen. Zwischen den Felsen beobachten uns dutzende kleiner Wallabies neugierig. Kein Mensch ist da, und wir geniessen den geheimnisvollen Teich, der von steilen Felswaenden umgeben ist. Caroline schwimmt bereits an Land zurueck, als Migg ploetzlich abtaucht und zu planschen beginnt wie ein Verrueckter. Er will Caroline schockieren und spielt "ich werde von einem Krokodil angegriffen". Doch hier hat's gar keine Krokis, und Caroline ist nicht wirklich beeindruckt von seiner Vorfuehrung. "Ach nein!" ruft Migg ploetzlich. "Ich habe ganz vergessen, dass ich die Brille aufhatte!". Die ist jetzt natuerlich weg und liegt irgendwo auf dem Grund des Pools. Zugegeben, es ist sowieso laengst Zeit fuer ein neues Modell, doch es ist trotzdem aergerlich, fuer die naechste Zeit brillenlos zu sein. Mehr aus Spass als in der Hoffnung, die Brille wirklich wiederzufinden, holen wir unsere Taucherbrillen und Schnorchel und gehen auf die Suche. Kaum ist unser Kopf unter Wasser, sehen wir auch schon dutzende von Fischen, die um malerische Felsbloecke schwimmen. Die Wurzeln der ufernahen Baeume bilden einen unterirdischen Maerchenwald. Der Boden ist mit hellem Sand bedeckt und die Sicht erstaunlich gut. Einmal mehr ist es faszinierend, was sich hier Unterwasser so ganz unbemerkt von den meisten Badegaesten abspielt und was wir nun dank der verlorenen Brille alles entdeckt haben. Zur Kroenung findet Migg tatsaechlich seine Brille wieder. Deutlich sichtbar liegt sie in etwa zwei Metern Tiefe auf dem Boden, und schon taucht er hinunter und haelt das uralte Gestell triumphierend in der Hand.

 

Sommerhitze in der Katherine Gorge

Ueberall stehen Warnschilder betreffend der momentan herrschenden Sommerhitze. Bis zu 50 Grad heiss sei es zwischen den erwaermten Felsen, man solle weite Wanderungen unterlassen, immer genuegend trinken und ja den Kopf bedecken. Eigentlich ist es schlicht zu heiss, um sich koerperlich anzustrengen. Trotzdem wollen wir nicht darauf verzichten, die Katherine Gorge, eine spektakulaere, tief in die Landschaft eingeschnittene Schlucht, zu Fuss zu erkunden. Die Hitze diktiert unseren Zeitplan: Schon um sieben sind wir unterwegs und spueren bereits, wie mit der aufgehenden Sonne die Temperatur steigt. Bald schon wird es so heiss, dass wir die Wasserflasche immer im Anschlag haben, um alle paar Meter zu trinken. Der Weg windet sich auf und ab durch steinige Landschaft mit vereinzelten Eukalyptusbaeumen. Ab und zu durchqueren wir schattige, gruene Partien, die mit Pandanus bewachsen sind. Unser Ziel ist der "Smith Rock", ein riesiger Fels im Fluss, bei dem wir uebernachten wollen. Die Hitze hat uns so schnell vorwaertsgetrieben, dass wir um zehn Uhr morgens bereits unseren Schlafplatz erreichen. Das Ufer besteht aus terassenartig ausgewaschenen Felsstufen und Einbuchtungen. Die Sonne hat uns so erschoepft, dass wir uns ersteinmal einen schattigen Platz zum Hinlegen suchen. Erst Stunden spaeter erwachen wir wieder. Wir geniessen die Einsamkeit, baden im warmen Fluss und schlafen nachts auf einer erhoehten Felsplattform unter freiem Himmel.


Typisch Australien

Der Umzug, der sich durch die Strassen von Adelaide zieht, ist bunt zusammengewuerfelt. Dudelsackklaenge und Maenner in Schottenroecken, Angolaner, die lauthals singen und sich im Rhytmus wiegen, knatternde, herausgeputzte Oldtimer-Fiat, die mit italienischem Gehupe vorbeifahren, dahinter ein Wagen voller Samba-Taenzerinnen im Karneval-von-Rio-Stil. Dies ist nicht etwa Fasnacht, sondern "Australia Day". Am 26. Januar feiert Australien seinen Nationaltag, "der Tag", wie es der alte Mann im bunten Che Guevara-Hemd formuliert, "an dem die weissen Eindringlinge im 18. Jahrhundert ihren ersten Fuss auf den Kontinent gesetzt haben". Die bunt gewuerfelte Menschenmenge an diesem Umzug koennte nicht besser zeigen, wie multikulturell Australien ist.

 

Trotz der kulturellen Vielfalt gibt es da so etwas wie den "typischen Australier", der freundlich und offen ist und einem mit "how are you going, mate" gruesst, bei dem alles "no worries" ist und der nach jedem zweiten Satz ein "eye" anfuegt. Er mag "Vegemite", das natuerlich viel besser ist als die englische Version "Marmite" und liebt Barbeques. Ohne den "esky", die mit Bier gefuellte Kuehlbox, geht allerdings gar nichts. Die Englaender nennt er "poms" und ist stolz darauf, dass seine Vorfahren "convicts" sind, die als Straeflinge nach Australien kamen.

 

Die Architektur traegt vielerorts deutlich europaeische Zuege, und wenn das Tram in Melbourne bimmelt, weil jemand die Strasse am falschen Ort ueberquert, waehnt man sich fast in Zuerich. Wir besuchen Hahndorf, eine der aeltesten deutschen Siedlungen Suedaaustraliens und staunen nicht schlecht, als wir in Otto's Baeckerei "Bienenstich" und "Kugelhopf" sehen.

 

Viele Menschen, mit denen wir unterwegs ins Gespraech kommen, haben aussergewoehnliche Geschichten zu erzaehlen, wie etwa der Krankenpfleger, der in der staubigheissen Minenstadt Coober Pedy sein Glueck als Opalschuerfer suchte und heute das unterirdische Opalmuseum fuehrt (www.oldtimersmine.com). Wenn er von seinen Opalsteinen spricht, leuchten seine Augen. Eine weitere wunderschoene Geschichte ist jene des Wreckers, dem "Schrottauto-Recycler", bei dem wir ein Ersatzteil fuer unseren Ford kaufen. Der Pole ist vor 40 Jahren mit 10 Dollar in der Tasche nach Australien immigriert, hat als Autolackierer angefangen und ist nun der Besitzer mehrerer Firmen und Haeuser. Stolz zeigt er uns die Fotos seiner kitschigen 10-Zimmer Villa mit Meersicht. Obwohl es ihm an Geld nicht mangelt, kommt er im schmuddeligen Unterhemd daher und faehrt ein uraltes Auto. Und wir dachten, solche Tellerwascher-Geschichten gaebe es nur in Amerika.

 

Freizeithobby Nr. 1

Ob an den Fluessen im Norden oder an der Kueste im Sueden: Fischen scheint die Lieblingsbeschaeftigung der Australier zu sein. Vorwiegend die Maenner, aber auch Frauen und Kinder stehen stundenlang im kalten Wind und werfen hoffnungsvoll ihre Rute aus. Besonders populaer ist es, sich ein eigenes Motorboot zu kaufen, das man auf einem Anhaenger transportieren und bei einer der zahlreichen Bootsrampen ins Wasser bringen kann. Als wir in Adelaide Gatesys Familie besuchen, duerfen wir ihn und seinen Vater im Motorboot zum Fischen begleiten. Wir fahren hinaus und suchen uns einen geeigneten Fleck, um Tintenfischsuche zu fangen. Wir alle werfen die Rute aus und schon bald beisst bei Migg ein Tintenfisch an. Der erste, den er in seinem Leben je gefangen hat. Freudig zieht er ihn hoch aufs Boot, als Gatesy ruft: "Pass auf, nicht aufs Boot!" Schon pumpt Miggs Fang voller Kraft pu seine schwarze Tinte stossweise in alle Richtungen. Miggs Gesicht ist schleimig Schwarz, Gatesys Vater hat es an der Hose erwischt. Schon wieder haben wir etwas Neues gelernt: Ein Tintenfisch kommt zuerst in einen Kuebel, dann an Bord!


Australiens Ureinwohner

Ein Aborigine steht neben seinem Auto an der Strasse und winkt uns, anzuhalten. Er hat bestimmt eine Panne, vermuten wir und halten an. Doch er hat ein anderes Anliegen. Er fragt uns, ob wir ihm nicht bitte im Pub, das ein paar Hundert Meter weiter vorne liege, Bier kaufen koennten. Die Geschaeftsleitung verkaufe keinen Alkohol an Aborigines. Er gaebe uns das Geld und warte hier auf uns. Als er merkt, dass wir dies nicht tun wollen, sagt er in wehleidigem Ton: "It's Christmas"! Das Pub, von dem er spricht, hat in der Vergangenheit Schlagzeilen gemacht mit der Entscheidung, keinen Alkohol mehr an Aborigines zu verkaufen. Sogar eine Gerichtsverhandlung soll es gegeben haben, da nicht zu bestreiten ist, dass dies eigentlich Diskriminierung ist. Sollte da nicht auch mancher Weisse ein Alkoholverbot kriegen? Ein heikles Thema, doch die Aborigines-Communities selbst (vor allem die Frauen) unterstuetzen die Entscheidung des Pubs, da der Alkoholismus der Maenner ihre ganze Gemeinschaft zerstoert. Auf unserer Reise durch Australien sehen wir sehr viele betrunkene Ureinwohner und realisieren, wie gross die Probleme sind. Die meisten Aborigines scheinen nicht wirklich in die moderne Gesellschaft integriert zu sein. Woechentlich bezahlt ihnen der Staat Sozialgeld, das von vielen gleich in Alkohol umgesetzt wird. In den letzten Jahrzehnten wurden den Ureinwohnern zwar gewisse Landrechte zugestanden, doch inwieweit die Entwurzelung rueckgaengig gemacht werden kann, ist fraglich. Beobachtet man die jungen Aborigine-Gruppen, die in Hip-Hop-Kluft ziellos durch die Einkaufszentren schlendern, scheint ihr Bezug zur Natur ziemlich verschwunden zu sein. Doch das alles sind lediglich Beobachtungen, denn leider hatten wir nicht wirklich die Gelegenheit, mit vielen "Indigenous Australians", wie sie politisch korrekt heissen, ein Gespraech zu fuehren.


Auf Tauchgang

"Der ist zu klein", jammert Migg, "wie komme ich da nun wieder raus?!" Schweissgebadet stehen wir in der stickigen Hinterkammer eines Tauchladens und kaempfen uns in 6mm dicke Wetsuits. Endlich haben wir die passende Groesse gefunden, schnappen uns Flossen, Gewichte und Sauerstoffflaschen und gehen zur Kasse. Schnell realisieren wir, dass der morgige Tauchgang unser bisher teuerster sein wird. Wir sind nicht mehr in Asien... Nacheinander springen wir vom Tauchboot ins Wasser und japsen ersteinmal auf. Einen kurzen Momant lang stockt der Atem, so kalt ist es! Eine ganz neue Erfahrung fuer uns, bei 18 Grad Wassertemperatur zu tauchen. Was sind wir nur fuer Memmen geworden, in der Aare war's doch auch nicht waermer? Dann gehts einem Seil entlang hinunter mitten ins Blau. Bald schon tauchen die ersten Umrisse der HMAS Hobart auf. Das Schiff gehoerte der australischen Navy und wurde, nachdem es ausgedient hatte, vor fuenf Jahren an der Westkueste der Fleurieu-Halbinsel in Suedaustralien versenkt. Mehr Infos unter www.diveexhmashobart.com. Das kuenstliche Riff zieht viele Fische (und Taucher) an und ist schon erstaunlich dicht mit Softkorallen, Schwaemmen und Algen bedeckt. Viele Fische sehen wir heute allerdings nicht. Trotzdem ist es ein tolles Erlebnis, so durch die Luken in den Schiffsrumpf hinein- und wieder hinauszuschwimmen.

 

Wunderwelt unter dem Laufsteg

"Man muss schon richtiggehend Pech haben, dass man unter der Rapid Bay Jetty keinen Seadragon sieht" meint der Angestellte, als wir unsere Tauchausruestung abholen. "Immerhin sind sie etwa 40 bis 50 cm lang". Wir machen uns auf, diese zauberhaften Kreaturen aus der Familie der Seepferdchen, die nur im suedlichen Australien vorkommen, zu suchen. Die Nacht verbringen wir direkt neben dem Bootssteg, und schon um 8 Uhr klettern wir mit der Tauchflasche auf dem Ruecken ueber die vielen Steine, die am Ufer liegen. Endlich sind wir im Wasser, schnorcheln eine Weile dem Steg entlang und tauchen dann ab. Was uns hier empfaengt, ist fantastisch. Die dicken Pfeiler der Jetty sind ueber und ueber mit Wasserpflanzen, Schwaemmen, Muscheln und bunten Algen bewachsen, der Boden ist von einigen sandigen Partien abgesehen mit einem Teppich aus wiegendem Seegras bedeckt. Langsam bewegen wir uns vorwaerts und suchen mit den Augen das Seegras ab. Nach kaum zehn Minuten entdecken wir unseren ersten Seedrachen, ein Baby, das keine 10 cm gross ist! 50 Meter weiter tanzen gleich zwei erwachsene Exemplare zusammen in den sanften Wellen der hereinkommenden Flut. Wir koennen unser Glueck kaum glauben. Wir beobachten die grazilen Wundertiere mit ihren fein veraestelten Auswuechsen und den grossen Augen und kommen fast nicht mehr los von ihnen. Bei weiteren Tauchgaengen sehen wir noch mehr Seedragons und andere Attraktionen wie einen Eagle-Ray aus naechster Naehe, bunte Wrassen, einen Cuttlefish und riesige Schwaerme mit silbrig-schwarz gestreiften Fischen (Old Wives). Stellenweise ruecken die Pfeiler ganz nahe zusammen, und mit dem einfallenden Sonnenlicht entsteht eine kathedralenartige Stimmung. Hintergrundinfos ueber die "schoenste Jetty der Welt" unter www.rapidbayjetty.org.

 

Caroline Zollinger & Michael Scherrer




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Last update:  13:46 02/09 2009